Oktober 2011
Liebe Israelfreunde
Der türkische Ministerpräsident Erdogan forderte von Israel, sich bei der Türkei für die Vorfälle auf dem Schiff Mavi Marmara zu entschuldigen. Wie zu erwarten war, beschloss Israel, dies nicht zu tun. Als erste Reaktion darauf berief die Türkei ihren Botschafter aus Israel zurück. Und um ihrem Unmut Nachdruck zu verleihen, verwies sie den israelischen Botschafter des Landes.
Obwohl es in Israel auch Stimmen gab, die sich für eine Entschuldigung gegenüber der Türkei aussprachen (wie etwa die des Verteidigungsministers Ehud Barak), entschloss die Regierung in Jerusalem, sich nicht zu entschuldigen, weil eine sorgfältige Analyse der weiteren Entwicklung in der Region klarmachte, dass eine Entschuldigung nur eine kurzfristige Beruhigung in den gegenseitigen Beziehungen der einst Verbündeten bringen würde. Vielmehr würde eine Entschuldigung Israels nur die Kreditwürdigkeit Erdogans und seiner Partei in den Augen der Islamisten aufwerten – etwas, das ihm in seiner Politik sehr wichtig ist. Ankara bereitet sich auf die Zeit nach dem «arabischen Frühling» vor, wenn voraussichtlich die Muslimbruderschaft in Syrien, aber auch in Ägypten, zur starken Macht aufsteigen wird. Erdogan sieht in den Umwälzungen in der arabischen Welt eine Chance für die Türkei, um zur regionalen Führungsmacht aufzusteigen, und das sogar auf Kosten des Iran.
Intern ist es Erdogan schon gelungen, die einstige grosse Macht der türkischen Armee zu neutralisieren. Er zwang praktisch die ganze Militärführung zum Rücktritt und liess Dutzende andere hohe Offiziere mit fadenscheinigen Umsturzbeschuldigungen inhaftieren. Gleichzeitig ist er dabei, die Verfassung des Landes zu ändern, um ein präsidentiales Regierungssystem einzuführen. Dies ist mit dem einstigen säkulären Regierungssystem nur schlecht zu vereinbaren und würde ihm noch mehr Macht verleihen und helfen, seine Machtposition zu stärken. Diese Entwicklung in der Türkei führte in Jerusalem zur Erkenntnis, dass eine Entschuldigung geradezu kontraproduktiv wäre.
Dass Erdogan seine Macht in der Region ausweiten will, ging auch aus seiner Wahlsiegrede im Juni hervor, als er zum dritten Mal im Amt bestätigt wurde und für seine Partei AKP einen grossen Wahlsieg erzielte. Seine Regierung ist damit länger an der Macht als irgendeine Regierung vor ihm in der demokratischen Geschichte der Türkei.
In seiner Siegesrede sagte er: «Wir werden in den regionalen und globalen Angelegenheiten vermehrt aktiv werden. Und glaubt mir», so erklärte Erdogan der versammelten Menge, «heute hat Sarajewo ebenso gewonnen wie Istanbul, Beirut ebenso wie Itzmir, Damaskus ebenso wie Ankara, Ramallah, Nablus, Jenin, ja das ganze Westufer und Jerusalem ebenso wie Diyarbakir (eine Stadt in der Osttürkei)».
Was sollten diese Anspielungen in der Wahlsiegrede Erdogans bedeuten? Nichts anderes als, dass er und seine Regierung die Absicht haben, in der ganzen Region ihren Einfluss vermehrt geltend zu machen – aber offensichtlich besonders in der palästinensischen Sache, da er deren Orte besonders ausführlich erwähnte. Und die Erwähnung Jerusalems lässt besonders aufhorchen und ruft in Israel natürlich Besorgnis und ernstes Nachdenken hervor.
Die immer offener werdende Konfrontation mit der Türkei wird für Israel eine noch grössere Abhängigkeit von den USA bedeuten, die denn auch schon eine offizielle Warnung an die Adresse der Türkei haben verlauten lassen. Die Tatsache, dass der einst mit Israel verbündete Staat sich zum Feind wandelt, zeigt uns einmal mehr, wie wahr Gottes Wort ist, das davon redet, wie alle umliegenden Länder sich gegen Jerusalem wenden werden.
Fasziniert von der Aktualität des Wortes Gottes grüsst Sie herzlich mit Shalom
Ihr Fredi Winkler
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