April 2011
Liebe Israelfreunde
Noch ist es nicht klar, was die Unruhen und Umwälzungen in der arabischen Welt mit sich bringen werden. Eines scheint jedoch unverkennbar zu sein, nämlich die Tatsache, dass die arabischen Massen nicht mehr bereit sind, sich von einer in Reichtum lebenden Elite manipulieren und ausnutzen zu lassen, während sie selbst in Armut leben. Für die meisten Leute, aber vor allem für die Machthaber, kam der Aufstand überraschend und scheinbar ohne Grund.
«Den eigentlichen Urheber» der Unruhen hatte man dann doch bald gefunden. Als Hunderttausende in Jemen demonstrierend durch die Strassen zogen und den Rücktritt von Präsident Ali Abdulla Saleh forderten, beschuldigte dieser seine Gegner, dass sie mit dem Feind unter einer Decke stecken würden – und dieser kann nach arabischer Vorstellung grundsätzlich nur Israel sein. Als Saleh an der Universität von Sana vor Studenten und Akademikern sprach, beschwor er, dass die Aufrührer ihre Befehle aus Israel erhalten würden. Wiederholt erklärte er: «Ich werde euch ein Geheimnis enthüllen.» In Israel existiere eine Kommandozentrale, von wo aus die Destabilisierung der arabischen Welt angeführt werde. Das Hauptquartier befinde sich in Tel-Aviv und werde vom Weissen Haus geleitet.
Eine weitere gegen Israel erhobene Beschuldigung ist, dass dasselbe Nervenzentrum in Tel-Aviv, das angeblich die massiven Demonstrationen in der arabischen Welt angezettelt hätte, sich nun auf listige Weise gegen die Aufständischen verschworen habe. So versprach der arabische Sender Al-Jazeera, die Identität der Verschwörer zu enthüllen, die es dem libyschen Despoten Muammar Gaddafi ermöglichten, afrikanische Söldner gegen seine eigene Bevölkerung einzusetzen.
Nachfolgend einige Kostproben der «Offenbarungen» des Al-Jazeera, die von der iranischen Presse und dem Fernsehen begierig übernommen wurden: Diesen Enthüllungen zufolge habe Israel durch die Waffenhandelskompanie Global CST mit der Bevollmächtigung der Regierung in «Tel-Aviv» den libyschen Herrscher Gaddafi mit afrikanischen Söldnern beliefert, sodass er sie gegen die Aufständischen, die ihn stürzen wollen, einsetzen kann. Ägyptischen Quellen zufolge hätte die israelische Firma den libyschen Despoten bereits mit 50 000 afrikanischen Söldnern versorgt, damit er mit ihrer Hilfe gegen die Demonstranten, die gegen sein Regime demonstrieren, vorgehen kann.
Zuvor hätte der Generaldirektor von Global CST sich mit dem Chef des israelischen Geheimdienstes und mit Verteidigungsminister Ehud Barak getroffen, die ihm die Autorisierung für die Aktion erteilt hätten.
Die Frage, warum Israel einen erklärten Feind wie Gaddafi überhaupt unterstützen sollte, wurde dabei wohlweislich gar nicht angeschnitten.
Für Israel ist die Vorstellung, von den Arabern als das allgegenwärtige Schreckgespenst gesehen zu werden, der am meisten besorgniserregende Teil dieser unglaublichen Lügengeschichten. Solche Lügengeschichten haben die Fähigkeit, eine Eigendynamik auszulösen, wodurch sie sich auszuweiten und auszubreiten vermögen. Lügen bringen Blindheit und Versklavung über die Beschuldiger und Bedrängnis und Leid über die unrechtmässig Beschuldigten.
Wirkliche Freiheit – die Freiheit, die so viele Araber gerade suchen – kann jedoch nur durch Aufrichtigkeit und Aufklärung kommen und nicht durch dunkle betrügerische Irreführung.
Vor diesem Hintergrund gibt die scheinbare Demokratisierung in der arabischen Welt Israel mehr Grund zur Sorge als zu optimistischer Hoffnung, zumal die Massen sich mit dem Hass und dem Argwohn gegen Israel leicht manipulieren lassen.
Die gegenwärtige Entwicklung in der arabischen Welt lässt uns einmal mehr erkennen, dass durch menschliche Anstrengungen nie ein wirklicher Frieden kommen wird, sondern erst durch den verheissenen kommenden Friedefürsten.
In Ihm grüsse ich sie herzlich mit Shalom,
Ihr Fredi Winkler
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