Januar 2011
Liebe Israelfreunde
Am Beginn eines neuen Jahres ist es üblich, einerseits auf das vergangene Jahr zurückzublicken, um sich daran zu erinnern, was es alles mit sich gebracht hat. Andererseits blickt man auf das bevorstehende Jahr aus und denkt darüber nach, was es uns wohl alles bringen wird. Für Israel als Staat haben sich im zu Ende gegangenen Jahr 2010 einige wichtige Dinge zugetragen. Doch einiges, was man sich erhofft hatte, ist nicht passiert. Dies betrifft vor allem die mögliche Bombardierung des iranischen Atomreaktors zur Herstellung von atomaren Waffen. Manche waren geradezu überzeugt davon, dass dies geschehen würde. Auch der Ausbruch eines weiteren Krieges mit der Hisbollah im Libanon wurde von vielen erwartet. Doch gerade etwas, was die wenigsten erwartet haben, ist eingetroffen: Die vormals mit Israel gut befreundete Türkei hat sich zu einem Opponenten Israels gewandelt. Und wenn wir auf das vor uns liegende neue Jahr ausblicken, dann kommt diesbezüglich die Frage auf, wie es mit der Türkei weitergehen wird. Dies ist sicher eine Frage, die in Israel viele beschäftigt, besonders die Politiker.
In der israelischen Tageszeitung Jerusalem Post erschien dazu ein Artikel mit dem Titel: «Warum die Türkei in der islamischen Welt zur Führungsmacht aufsteigen wird». Darin wird beschrieben, wie die Türkei unter der AKP (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) und der Führung von Ministerpräsident Erdogan sich von einem prowestlichen Land, das von einer grossen prowestlich-säkularen Elite angeführt wurde, zu einem Land gewandelt hat, das von einer AKP-treuen islamisch und antiwestlich gesinnten Elite angeführt wird. Darüber hinaus haben nun seit dem Verfassungsreferendum vom 12. September 2010 ideologische Parteigänger der AKP wichtige Ämter in den Händen, wie beispielsweise die Posten oberster Richter. Die neuen Gesetze bevollmächtigen nun die Partei, höchste Richter einzusetzen, ohne dass diese einen vorherigen Prozess zur offiziellen Bestätigung bestehen müssen. Das heisst mit anderen Worten, dass die AKP die Türkei nicht nur regiert, sondern auch kontrolliert. Da, wo einst die prowestliche Elite nach einer Mitgliedschaft in der EU trachtete, vertritt und verbreitet die AKP nun neue antiwestliche und proislamische Werte in der türkischen Gesellschaft. Und in der Aussenpolitik herrscht nun eine andere proislamische und antiwestliche Denkart, die sich mit antiwestlichen Staaten und Organisationen wie Iran, Hisbollah und Hamas solidarisch erklärt.
Beim NATO-Gipfeltreffen Ende November in Lissabon hielten bis auf eine Stimme die NATO-Mitglieder zusammen mit Russland einstimmig fest, dass der Iran eine ernste Bedrohung für den Weltfrieden darstellt, und dass sie zusammen mit Russland ein Raketenabwehrschild gegen den Iran aufbauen wollen. Das einzige Mitglied, das dieser Ansicht widersprach, war die Türkei. Die Türken erklärten, dass es nicht der Iran sei, der eine Bedrohung für den Weltfrieden darstelle, sondern Israel. Damit hatte die Türkei einmal mehr zu verstehen gegeben, auf welcher Seite sie steht.
Bei solchen Zusammentreffen, wie der NATO-Gipfel in Lissabon, erinnert man sich unweigerlich an Psalm 2, wo geschrieben steht, dass die Könige und Fürsten der Erde zusammenkommen, um gegen den Herrn und Seinen Gesalbten zu beraten. Warum? Die Antwort, die Psalm 2 gibt, lautet, dass Er Seinen König auf dem Berg Zion eingesetzt hat (V 6). Gottes «Weltpolitik», wenn man so sagen kann, ist eine andere als die der Herrscher dieser Welt. Darum heisst es dann in Vers 10: «Und nun, ihr Könige, seid verständig, lasst euch zurechtweisen, ihr Richter der Erde!»
as Wissen, dass Gott letztendlich Seinen König einsetzen und Sein Reich aufrichten wird, lässt uns bei allen Bedrohungen in dieser Welt vertrauensvoll in die Zukunft blicken. In diesem Vertrauen auf den, der laut des zweiten Psalms über das Toben der Nationen lacht, wünschen wir all unseren Lesern ein gesegnetes neues Jahr und danken für all Ihr Mittragen und Verbundensein mit unserer Arbeit für den Herrn.
Mit herzlichen Segenswünschen für das neue Jahr grüsst Sie mit einem Shalom aus Israel
Ihr Fredi Winkler
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