Februar 2010
Liebe Israelfreunde
Am 4. Januar waren genau vier Jahre vergangen, seitdem der frühere Ministerpräsident Ariel Sharon nach seinem zweiten Schlaganfall ins Koma fiel. Zu diesem Anlass meldete sich sein ehemaliger Sprecher und langjähriger, enger Mitarbeiter Ra’anan Gissin zu Wort. Er erklärte, dass sich Benjamin Netanjahu ironischerweise als der politische Erbe von Ariel Sharon entpuppt habe, obwohl der jetzige Premier einst zu dessen lautstärksten Kritikern gehörte. Wie Sharon damals sei Netanjahu heute vom rechten Lager in die Mitte des politischen Spektrums gerückt. Er sei der «Sharon-Schule des politischen Denkens» gefolgt, als er einseitig die Einstellung des Siedlungsbaues verkündete und vorzeitig mit den Amerikanern über territoriale Zugeständnisse gegenüber den Palästinensern verhandelte. Diejenigen, die sich damals bereits als Nachfolger von Sharon gesehen hatten, hätten den «Tsunami-Wellen» nach dessen abruptem Ausscheiden aus der politischen Arena nicht Stand halten können. Tragischerweise erweisen sich nun Sharons heftigste Kritiker als seine besten Nachfolger.
Netanjahu habe zwar keine neue Partei gegründet, aber er habe seine alte Likud-Partei neu auf die politische Mitte ausgerichtet, um die für Verhandlungen mit den Palästinensern erforderlichen Entscheidungen treffen zu können. Andere ehemalige Berater von Sharon meinten, es sei noch zu früh, um zu beurteilen, ob Netanjahu die gleiche politische Grösse habe wie Sharon. Nach dem Beschluss, den Siedlungsbau einzustellen, spüre er jedoch bereits die bösartigen Angriffe von extremen Elementen innerhalb seiner eigenen Partei, so wie sie Sharon damals von Netanjahu einstecken musste. Es stelle sich jedoch die Frage, ob Netanjahu in seiner Führungsrolle den gleichen Mut habe, um wie Sharon den Preis zu bezahlen, den diese Position erfordere und ob seinen Worten auch Taten folgen werden. Es bleibe abzuwarten, ob er sich als echte politische Führungsfigur oder nur als Sklave seiner Likud Partei entpuppe.
Sharons frühere Anhänger meinten auch, er als Politiker wäre von den Auswirkungen seiner wichtigsten politischen Entscheidungen enttäuscht, wenn er jetzt aus dem Koma erwachen würde. Vor seiner Erkrankung gründete er die Kadima-Partei und entschied den Abzug aus dem Gaza-Streifen. Erez Halfon, ein ehemaliger politischer Berater Sharons, erwähnte, die Räumung des Gaza-Streifens sei Sharon persönlich sehr schwer gefallen, obwohl er glaubte, dass diese Massnahme politisch sinnvoll wäre und zur Sicherheit Israels beitragen würde. Vor allem hätte man der Welt mit diesem Schritt zeigen wollen, wer wirklich für den Frieden wäre und wer nicht. Halfon könne nicht sagen, wie Sharon sich fühlen würde, wenn er heute die Auswirkungen seines Handelns sehen könnte. Ausserdem könne man heute noch nicht beurteilen, ob die damaligen Entscheidungen richtig gewesen seien. Weiter meinte er: «Sharon bleibt uns in Erinnerung als echter ‹Bulldozer›, der fähig war, in jedem politischen Amt etwas zu bewegen. Ich hoffe, dass ein Wunder geschieht, er aus dem Koma aufwacht und es ihm vergönnt ist, in dem Land, das er so sehr liebte, sein Leben auf eine andere Weise zu beenden als in seiner jetzigen Situation.»
An den Beispielen von Ariel Sharon und von Benjamin Netanjahu zeigt sich, dass es eine unüberbrückbare Kluft gibt zwischen dem theoretischen Argumentieren in der Opposition und dem praktisches Handeln als Spitzenpolitiker innerhalb der politischen Gegebenheiten und Umstände in dieser Welt.
In der Gewissheit, dass auch die politischen Gegebenheiten und Umstände Gott untergeordnet sind und alles der Erfüllung Seines Planes und Seines Wortes dient, grüsst Sie mit einem herzlichen Shalom
Ihr Fredi Winkler


