April 2009
Liebe Israelfreunde
Die bekannteste Ansicht von Jerusalem ist wohl der Blick auf die Stadt vom Ölberg aus. Was für ein überwältigender Anblick muss es einst gewesen sein, als man von Bethanien über den Ölberg ging und man einen ersten Blick auf die Stadt und den Tempel werfen konnte! Die Jünger Jesu waren ebenfalls beeindruckt von dieser Szenerie, als einer von ihnen zu ihrem Meister sagte: «Siehe, welche Steine und welch ein Bau ist das! Doch Jesus antwortete: Siehst Du wohl diesen grossen Bau? Nicht ein Stein wird auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde» (Mk. 13,1-2).
Tatsächlich hat man vom Heiligtum selbst bis heute keinen einzigen Stein gefunden, sondern nur Reste der Umfassungsmauern, die Herodes errichten liess, um die Vorhöfe des Tempels zu vergrössern. Heute steht vom Ölberg aus gesehen immer in der Mitte des Tempelplatzes die goldene Kuppel des muslimischen Felsendomes, genau an der Stelle, an der sich einst der Tempel befand. Für viele Menschen stellen Fotos und Ansichtskarten mit diesem Motiv ein Ärgernis dar. Doch wir können heute mit derselben Gewissheit wie damals Jesus sagen: Es wird hier kein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen wird. Dabei stellen sich uns die gleichen Fragen wie damals den Jüngern, nämlich: Wann wird das geschehen? Was werden die Vorzeichen sein?
Vom Ölberg aus kann man jedoch noch etwas anderes sehen, das zwar weniger auffallend ist als die goldene Kuppel des Felsendomes, dafür aber auch ein geringeres Ärgernis darstellt. Es handelt sich um das goldene Tor. Nach jüdischer Tradition soll der Messias durch das östliche Tor zum Tempel kommen. Diese Überlieferung stützt sich auf Sacharja 14,4 und Hesekiel 44,2-3. Für uns als Christen ist Er bereits gekommen, und zwar durch das goldene Tor. Am Palmsonntag zog Jesus von Bethanien aus auf einem Esel reitend durch dieses Tor zum Tempel, so wie es Gott es durch den Propheten Sacharja in Kapitel 9, Vers 9 vorausgesagt hatte. Deshalb ist das goldene Tor eine Ermutigung für diejenigen, die darauf warten, dass sich die Verheissung über Seine Rückkehr erfüllt. Man hat es zwar zugemauert, angeblich um das Kommen des Messias zu verhindern., aber dieses verschlossene Tor wirkt beim Blick auf Jerusalem wie ein Mahnmal für die ablehnende Haltung der Menschen gegenüber dem König der Wahrheit. Vor Pilatus sagte Jesus: «Ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit zeugen soll» (Joh 18,37). Damals weinte Jesus auf dem Ölberg über Jerusalem, weil die Stadt Ihn und das, was zu ihrem Frieden gedient hätte, nicht erkannte. Heute beobachten wir, dass sich die Welt immer stärker gegen den König der Wahrheit verschliesst und nicht mehr erkennen will, was zu ihrem Frieden dient. Doch Jesus verkündete vor Pilatus eine weitere, verheissungsvolle und tiefe Wahrheit, als Er sagte: «Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.» In der bedingungslosen und ungeteilten Liebe zur Wahrheit liegt die Verheissung zum ewigen Heil!
In dieser Liebe zum König der Wahrheit mit Ihnen verbunden grüsse ich Sie zum Fest Seiner Auferstehung mit einem herzlichen Shalom.
Ihr Fredi Winkler
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