August 2012
Liebe Israelfreunde 
Der Israelbesuch des russischen Präsidenten Vladimir Putin im vergangenen Juni fand in den Medien relativ wenig Beachtung, obwohl er in verschiedener Hinsicht äusserst bemerkenswert war. Isi Leibler, ein israelischer Reporter, schrieb im Rückblick, dass Putins Reise nach Israel dessen erster Überseebesuch nach seinem Wahlsieg gewesen sei. Demgegenüber habe der erste Besuch des amerikanischen Präsident Obama nach dessen Wahl der Türkei und Ägypten gegolten; auf einen Besuch in Israel warte man immer noch. Ausserdem habe Putin Israel 2005 schon einmal besucht.
Der Anlass von Putins Besuch war unter anderem die offizielle Einweihung eines Denkmals bei einem Museum in Netanya, das an den Beitrag jüdischer Soldaten in der Roten Armee beim Sieg über die Nazis erinnern soll. In seiner Rede drückte Putin mit warmen Worten seine Wertschätzung für Israel und die grösste Diaspora ehemaliger sowjetischer Bürger aus.
Im Rückblick auf die Zeit, in der jüdische Dissidenten in der Sowjetunion unterdrückt und verfolgt wurden, scheint der Besuch eines ehemaligen KGB-Offiziers, der russischer Präsident wurde, ein unwirkliches Ereignis, das man sich damals nicht einmal in den abwegigsten Träumen hätte vorstellen können. Ja, er besuchte sogar die Klagemauer mit einer Kippa auf dem Kopf, etwas, was sicher nicht einmal in den schlimmsten Abträumen seiner bolschewistischen Amtsvorgänger vorgekommen ist.
Leibler fügte jedoch mahnend hinzu, dass all das nicht zur Annahme verleiten solle, der autokratische Präsident Putin sei zu einem wirklichen Verbündeten Israels und des jüdischen Volkes geworden. Trotz der warmen Worte solle man nicht übersehen, dass Putin einem Land vorstehe, das zu Israels grössten Feinden, wie Syrien und Iran, Beziehungen unterhalte. Putin neige auch dazu, die Position der Palästinenser zu unterstützen. Dies versicherte er erneut auch Abbas, dem Vorsitzenden der palästinensischen Autonomiebehörde, während seines Besuches in Bethlehem.
Trotz allem hielt Leibler fest, dass Putin eine echte Zuneigung für Israel, wo so viele ehemalige russische Bürger wohnen, zu haben scheine. Zweifellos habe Putin erkannt, dass Israel wie Russland unter der Bedrohung durch islamistische Fundamentalisten leide, weshalb auch die russischen Beziehungen zur Türkei angespannt seien. Der Besuch Putins in Israel sende zweifellos die Botschaft an die Araber, dass Russland kein Partner sei in ihren Anstrengungen, den jüdischen Staat zu untergraben – auch wenn zwischen Israel und Russland hinsichtlich Iran und Syrien Meinungsverschiedenheiten bestünden.
So wie das Verhältnis zwischen Israel und Russland eine Entwicklung durchgemacht hat, die wir uns vor dreissig Jahren kaum vorstellen konnten, so sind wir heute gefordert, unsere Deutung der prophetischen Aussagen in der Bibel – und diesbezüglich besonders Hesekiel 38-39 – neu zu überdenken.
Es ist schon viele Jahre her, als mich ein Teilnehmer einer Israelreise darauf ansprach und fragte: «Wo ist eigentlich in der Bibel der Islam und seine Rolle in der Endzeit zu finden?» Diese Frage gab mir sehr zu denken. Heute sehen wir nördlich von Israel eine neu aufsteigende Macht, nämlich die Türkei, die sich von einem Israel einst wohlgesonnenen Staat zu einer geradezu feinseligen Nation gewandelt hat. Der in der Staatsverfassung festgelegte säkulare Charakter der Türkei hat sich in den letzten zehn Jahren unter der Führung von Ministerpräsident Erdogan ins Gegenteil verwandelt. Es ist Erdogan gelungen, die Verfassung dahin gehend abzuändern, dass der militärischen Führung das Recht entzogen wurde, über den säkularen Charakter der Staatsführung zu wachen und sie nötigenfalls zu stürzen; etwas, was in der Geschichte der modernen Türkei schon viermal vorgekommen ist. Damit schaffte es Erdogan, alle Macht in seiner Hand zu konzentrieren. Wenn wir auf das prophetische Wort achten, ist es sicher gut, auch auf die Entwicklung in der Türkei zu achten.
Im Wissen, dass Gott dabei ist, Sein Wort auf faszinierende und überraschende Weise einzulösen, grüsst Sie herzlich mit Shalom
Ihr Fredi Winkler
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