Februar 2012
Liebe Israelfreunde
Bei der Staatsgründung Israels gewährte David Ben-Gurion den streng nach jüdisch-orthodoxen Vorschriften lebenden Juden eine Befreiung vom Militärdienst. Damals waren sie eine relativ kleine Gruppe und wurden als Hüter des Judentums angesehen, die in der Vergangenheit dazu beigetragen hatten, dass das Judentum in der Diaspora nicht durch Assimilierung untergegangen war. Doch inzwischen sind sie zu einem beachtlichen Anteil von über zehn Prozent der jüdischen Bevölkerung geworden. Und ihre hohe Geburtenrate trägt dazu bei, dass sie sich viel stärker als die übrige Bevölkerung vermehren. Das bedeutet auch, dass ihr politischer Einfluss immer grösser wird. Das ist besonders in der gegenwärtigen Regierung der Fall.
Dies ist bestimmt einer der Gründe, warum es gerade jetzt zu öffentlichen Spannungen zwischen streng religiösen und mehr liberalen Juden gekommen ist. Innerhalb jüdisch-orthodoxer Kreise herrscht eine strikte Geschlechtertrennung, die sich in erster Linie auf die Synagoge und das Schulwesen erstreckt. Doch in den letzten zehn Jahren versuchten sie, ihre Lebensvorstellungen immer mehr auf das öffentliche Leben auszudehnen. So fordern sie, dass in den öffentlichen Bussen eine Geschlechtertrennung eingeführt wird, indem die Männer vorne und die Frauen hinten im Bus sitzen. In Orten wie Beth-Shemesh, wo der Anteil der orthodoxen Bevölkerung relativ gross ist, stellten sie beispielsweise Schilder auf, die dazu auffordern, dass auf einer Strassenseite nur Frauen und auf der anderen nur Männer gehen. Frauen, die der Aufforderung nicht Folge leisteten, wurden dann in der Folge bespuckt. Diese Entwicklung führte zu einem landesweiten Aufschrei und zu öffentlichen Protesten.
Eine Sprecherin der Regierung erklärte diesbezüglich, dass Netanjahu klar Stellung gegen die Forderungen für eine Geschlechtertrennung beziehe und den Versuch, die Frauen aus dem öffentlichen Leben auszuschliessen, nicht tolerieren werde.
Gemäss religiösen jüdischen Vorschriften ist es für eine Frau eine Schande, ihre Stimme öffentlich hören zu lassen. Darum fordern religiöse Soldaten, dass sie von der Teilnahme an militärischen Zeremonien befreit werden, in denen Frauen auftreten und singen. Aus Gründen der militärischen Disziplin wird dies allerdings nicht erlaubt. Die Tatsache, dass auch Frauen Teil der israelischen Armee sind, ist übrigens einer der Gründe, warum streng religiöse Juden sich weigern, in der Armee zu dienen.
Ephraim Halevi, ein früherer Chef des Geheimdienstes, löste einen Sturm der Empörung aus durch seinen Kommentar, die religiöse Radikalisierung sei eine grössere Bedrohung für den Staat Israel als der Iran und sein Präsident Ahmadinedschad. Daraufhin meinte er, vielleicht sei der Vergleich mit dem Iran etwas übertrieben, jedoch führe die religiöse Radikalisierung zu einer immer tiefer gehenden Spaltung des Volkes, die gefährlicher sei als jede äussere Bedrohung.
Halevi wurde wegen seiner Äusserungen von religiöser Seite heftig angegriffen. Doch interessanterweise fand seine Warnung von angesehener rabbinischer Seite auch Beachtung. Ein Rabbiner hielt es für bemerkenswert, dass jemand, der eine so hohe Stellung im Sicherheitsapparat innehatte, darauf hinwies, dass es gerade die internen Meinungsverschiedenheiten seien, die zu Spaltungen im Volk führten. Dies sei für das Fortbestehen des Staates schicksalhaft.
Als ehemaliger Geheimdienstchef kennt Halevi wahrscheinlich nur allzu gut die Gefahren innerer Uneinigkeit. Nicht umsonst sagt das Sprichwort: «Einigkeit macht stark.» Interessant ist nun, dass auch die Bibel wiederholt davon spricht, wie Gott selbst das gespaltene Volk einigen wird (z.B. Hes 37,15-22). In den Versen zuvor sehen wir ein Bild der nationalen Wiederherstellung Israels, die Vision der toten Gebeine, die wieder lebendig werden (Hes 37,1-14). Gott will die Juden aber auch geistlich wiederherstellen, alles Trennende wegtun und ein einiges Volk aus ihnen machen, wie es in Vers 22 steht: «Und ich mache sie zu einer Nation im Land, auf den Bergen Israels.»
Im Wissen, wie wichtig innere Einigkeit ist, grüsst Sie herzlich mit Shalom im Namen Dessen, der uns eins gemacht hat
Ihr Fredi Winkler
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